Im Jahr 325 gehörten die schweren Christenverfolgungen des Altertums der Vergangenheit an; Kaiser Konstantin förderte die Kirche. Aber nun, da die Gefährdungen von außen überwunden waren, bedrohten innere Spaltungen die Einheit der Christenheit. Irrlehren machten sich breit, die die Person und das Heilswerk Jesu Christi betrafen – und besonders seine Stellung zum Vater. Auf dem ersten Weltkonzil in Nicaea bei Konstantinopel wurde hart um die christliche Einheit gerungen – das Ergebnis war das sog. Nizänische Glaubensbekenntnis, dass die Wesenseinheit von Vater und Sohn gemäß der biblischen Offenbarung herausstellt. Dieses Credo verbindet bis heute die Kirchen im Osten und Westen, die alten Konfessionen und die Konfessionen, die aus der Reformation entstanden sind. Das Nizänische Glaubensbekenntnis hält das Bewusstsein dafür wach, dass die gebräuchliche Rede von „Kirchen“ falsch ist – weil es nur die eine weltumspannende Kirche gibt, die sich in verschiedene Richtungen aufgespalten hat. Die Ökumene geht von dieser Erkenntnis aus – und strebt nach erfahrbarer Einheit auf der Basis der Wahrheit, die alle eint. Deshalb ist das Jubiläumsjahr des Konzils von Nicaea ein ökumenisches Ereignis ersten Ranges.
Am Freitag vor Pfingsten zelebrierten der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Dr. Lucian Bolos, der römisch-katholische Pfarrer Dr. Matthias Eller und Pfarrer Martin Fromm in Erinnerung an das Konzil in der evangelisch-lutherischen Gnadenkirche einen ökumenischen Festgottesdienst. In seiner hervorragenden Predigt verband Pfarrer Dr. Eller die wissenschaftlich-theologische Fragestellung nach dem Wesen des Christus mit der existentiellen Fragestellung des Gläubigen: „Was bedeutet mir Jesus in der Begegnung von Person zu Person?“ Den Rahmen seiner Predigt bildete die Frage Jesu an seiner Jünger: „Für wen halten mich die Menschen?“ und die vom Geist Gottes gewirkte Antwort des Apostels Simon Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Pfarrer Dr. Eller forderte die Gemeinde auf, in das Bekenntnis des Petrus einzustimmen und gemeinsam anzubeten. Die Kantorei Gnadenkirche, in der seit jeher Lutheraner und Katholiken zur Ehre Gottes miteinander musizieren, gestaltete den festlichen Gottesdienst in bewegender Weise mit.

Text: Martin Fromm