1. Thess 4,13-18

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

Gemeinde des Herrn Jesus Christus, Schwestern und Brüder,

So tröstet euch mit diesen Worten untereinander – so schreibt der Apostel Paulus an die Thessalonicher und an die Rüdenhäuser und Wiesentheider! Tröstet euch mit diesen Worten untereinander!
Liegt es Euch da nicht auf der Zunge zu rufen: Halt stopp, lieber Paulus! Da vergreifst Du Dich jetzt aber im Thema und im Ton! Wir sind hier um zu feiern! Um die Auferstehung des Herrn zu feiern! Um das fröhlichste Fest der Christenheit zu feiern! Um nach dem Gottesdienst miteinander anzustoßen, um die karge Fastenzeit hinter uns zu lassen und mit dem Mund zu schmecken, wie freundlich der Herr ist!
Und da kommt Paulus daher und sagt, wir sollten einander trösten – dabei wollen wir doch alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit!


Schwestern und Brüder,

das ist wahr – das eine, aber eben auch das andere!
Denn es gibt da etwas, was unserer österlichen Fröhlichkeit entgegensteht – und das ist der Tod! Der Tod, der uns auch in den letzten Monaten immer wieder begegnet ist. Der Tod, der uns noch vor kurzem auf dem Friedhof zusammengeführt hat! Der Tod, der Menschen, die einen lieben Angehörigen verloren haben, noch heute traurig macht! Der Tod, der auch in dieser Nacht zu Menschen kommt – auf der Straße, im Krankenhaus, durch Verbrechen, durch Krieg – und vielleicht sogar durch einen Terroranschlag auf eine Kirche, in der eine gläubige Gemeinde die Auferstehung Jesu feiert. 

Schwestern und Brüder,

Paulus will uns keine kalte Dusche verabreichen, indem er uns an unsere Trostbedürftigkeit erinnert, er will uns nicht die Laune verderben oder unsere Freude an der Auferstehung Jesu dämpfen!
Paulus will das Gegenteil! Seine Worte zielen darauf, UNS Christen, den Thessalonichern damals, den Rüdenhäusern und Wiesentheidern heute, aber auch den Jesusjüngern in einem Straflager im kommunistischen Nordkorea, den von islamischen Terroristen bedrohten Gläubigen in Nigeria, den orthodoxen Christen in der Ukraine, die wohl abermals im Krieg Ostern feiern müssen, bewusst zu machen:
Dass Jesus lebt, ändert euer Leben! Dass Jesus lebt, ändert den Tod eurer Lieben, ob sie im Bett friedlich entschlafen sind – oder umgekommen sind im Krieg!
Der Tod hat seinen Anspruch verloren: auf Euch – auf sie!

Wer zu Jesus gehört, der wird leben mit ihm, durch ihn, in ihm – in seinem Reich!

Noch hat der Tod Macht – noch kommt er zu einem jeden, auch zu uns, noch reißt er Lücken in unsere Reihen und Wunden in unsere Herzen – aber diese Macht ist nur noch eine vorläufige, denn der, der mächtiger ist als der Tod, der hast ihn schon bezwungen:
JESUS – der Herr!

Schwestern und Brüder,

die Thessalonicher, an die Paulus schreibt, glauben an die Auferstehung Jesu – das schon.

Ja, Jesus lebt. Er, der Sohn Gottes, lebt. Er, der nach drei Tagen auferstand, lebt. ER, der dem Petrus, allen Aposteln, dem Paulus erschienen ist, lebt.        

Ja, das glauben sie.
Schließlich ist Paulus nur deshalb zu ihnen in die Stadt gekommen und hat ihnen Jesus verkündigt,
schließlich haben sie sich nur darum taufen lassen,
schließlich sind sie nur darum eine Gemeinde und kommen an jedem Sonntag zusammen, um die Auferstehung des Herrn zu feiern – weil er lebt!

So weit, so gut!

Aber trotzdem fragen sie sich: Was hat die Auferstehung Jesu mit UNS, was hat sie mit MIR, was hat sie mit meinen Liebsten zu tun?

Die Welt ist doch immer noch die alte, immer noch sterben Menschen: gute Menschen, fromme Menschen, unschuldige Menschen, immer noch gibt es keinen Umsturz der ungerechten und brutalen Verhältnisse, immer noch wüten Diktatoren, immer noch finden sich Schergen und Vollstrecker, immer noch werden die Schwachen zu Opfern, ohne das Gott einschreitet, immer noch leben wir dem Tod entgegen!

Also: Was hat die Auferstehung Jesu mit UNS zu tun?

Schwestern und Brüder,

wundert Ihr Euch über die Thessalonicher?
Ich wundere mich gar nicht über sie. Auch in Deutschland glauben heute Menschen an die Auferstehung Jesu, aber nicht an die eigene Auferstehung. Sie tun sich leicht damit, dass Jesus sagt: „Ich lebe!“ – aber der zweite Teil seines Satzes erschließt sich ihnen nicht: „Und ihr sollt auch leben!“
Sie können durchaus Ostern als Fest der Auferstehung Jesu feiern, aber wenn es um den Tod ihrer Liebsten, wenn es um ihren eigenen Tod geht, dann sind sie ohne Hoffnung und ohne Trost! Denn sie stellen keine Verbindung her zwischen der Auferstehung Jesu und sich selbst und denen, die sie lieben!

Die Auferstehung Jesu hängt für sie gewissermaßen in der Luft.

Sie hat keine Bodenhaftung – obwohl sie sich doch hier auf dieser Erde abgespielt hat. Der Fels, den der Engel des Herrn vom Grab weggewälzt hat und auf den er sich setzte, der war hier auf dieser Erde.

Das leere Grab war hier auf dieser Erde.

Der Leichnam, der nicht mehr darin lag, der fehlte hier – auf dieser Erde!

Schwestern und Brüder,

wenn Jesus einfach in einen Mythos auferstanden wäre, in eine Wirklichkeit nicht von dieser Welt hinein, wenn es für ihn nur hinter dem Horizont weiterginge – dann wären die Frauen, der Fels, das leere Grab, der Engel des Herrn nur Staffage, Kulisse, Ausstattung, aber nicht wirklich Teil der Geschichte!

Das werden sie nur, wenn diese Welt und ihre Menschen in die Geschichte hineingehören.

Wenn wir hineingehören – IHR und ICH!

Wenn wir in dieser Geschichte mit gemeint sind – weil Jesus nicht für sich, sondern für uns auferstanden ist! Wenn sein ewiges Leben unser ewiges Leben ist! Wenn nicht nur sein Grab leer war,  sondern unser Grab leer sein wird!

Und wenn wir uns angesichts unseres Sterbens und des Sterbens derer, die wir lieben, mit diesen Worten trösten dürfen:
Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. 

Ja, auf dieser Welt kommen wir noch nicht am Tod vorbei – und doch werden wir leben, leben in Ewigkeit – mit und durch und in Jesus – in seinem Reich!

Die Worte des Paulus sollen unsere Fröhlichkeit und Freude am Osterfest nicht dämpfen – im Gegenteil, sie sollen unseren Osterjubel verstärken! Denn sie gelten UNSEREN Liebsten und sie gelten UNS!

In den Worten: Jesus lebt – bist DU mit gemeint, sind die in Christus Verstorbenen, um die Du trauerst, eingeschlossen, und auch die Ungezählten im Glauben an Jesus Verstorbenen, an die sich kein Mensch mehr erinnert, aber die in Gottes Liebe geborgen sind – und dem Tag der Auferstehung entgegen harren. Sie umfassen auch die, die heute Nacht sterben werden – ruhig daheim oder draußen auf einem Schlachtfeld. Es ist unser Trost, dass wir beim Herrn sein werden allezeit!

Gemeinde des Herrn Jesus Christus, Schwestern und Brüder,

Paulus hat nicht das Thema und nicht den Ton verfehlt – wir brauchen diesen Trost. Ja, auch heute, in der Osternacht! Aber wir brauchen diesen Trost nicht nur, wir haben diesen Trost auch: Jesus ist auferstanden und wir werden auferstehen.

Und so bekenne ich mit den Worten, die mir die wichtigsten im Gesangbuch sind:

Die Höll und ihre Rotten, / die krümmen mir kein Haar. / Der Sünden kann ich spotten, / bleib allzeit ohn Gefahr, / der Tod mit seiner Macht / wird nichts bei mir geacht‘: / er bleibt ein totes Bild, / und wär er noch so wild.

Amen.  

Andacht zum Gemeindebrief März – Mai 26
Markiert in:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.