
Oberhalb von Hessens kleinster Stadt, Schwarzenborn, erhebt sich der Berg Knüll. Hier verbrachten wir vom 28.2. bis 1.3. eine rundum schöne Konfirmandenrüstzeit im Freizeitheim der Anglikanischen Kirche in Deutschland. Der deutsche anglikanische Bischof, Dr. Gerhard Meyer, der hier ebenfalls seinen Sitz hat, ist unseren Gemeinden als guter Freund aus der Ökumene durch Vorträge und Gottesdienste bestens vertraut. Wir, das waren: Louis Gernert, Louis Neubert, Pfarrer Martin Fromm, Ben Linzert, Erik Steinbauer, Linnea Manz, Angelie Lautner und Lilli Schindler – oben auf dem Bild gemeinsam mit Bischof Meyer – und Laura Oelke, die das Fotografieren übernahm.
Das Freizeitheim wird gerade saniert, überzeugte aber mit wirklich hervorragender amerikanischer Küche, die der neue Hausleiter, Father Lee Nelson, mit seiner Familie zusammen für uns vorbereitete. Besonders die aus lauter ganz frischen Zutaten selbst hergestellten Hamburger erfreuten Gaumen und Herz.
Ausgehend von dem auf Tatsachen beruhenden Film: „Der Fall Jesus“, untersuchten wir die historischen Beweise für die Wahrheit des christlichen Glaubens. Das Ergebnis: Der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus steht wissenschaftlich auf festem Grund.
Wir wanderten vom Knüll hinunter nach Schwarzenborn, wo wir überrascht feststellten: Hessens kleinste Stadt ist ländlicher als viele unterfränkische Dörfer. Auch erkundeten wir den weitläufigen Wildtierpark auf dem Knüll.
Mit Bischof Meyer und der anglikanischen Gemeinde feierten wir am Sonntag einen eindrucksvollen Gottesdienst in der bis zum letzten Platz gefüllten anglikanischen Kapelle. Vor der Abreise fuhren wir mit dem Bischof zusammen noch in die „Konfirmationsstadt Schwalmstadt-Ziegenhain“, einer ehemaligen Residenzstadt des hessischen Landgrafen Philipp I., eines starken Förderers der kirchlichen Erneuerung. Hier führte der Reformator Martin Bucer im Jahr 1539 die erste evangelische Konfirmation durch, woran das Denkmal vor der Schlosskirche Ziegenhain erinnert (der Landgraf steht in der Mitte, rechts erteilt Bucer einem Mädchen Katechismusunterricht).
Im lutherischen Franken setzte sich die Konfirmation übrigens erst um 1800 flächendeckend durch, war doch Martin Luther der Überzeugung gewesen, dass die Belehrung der Kinder in den wichtigsten Stücken des christlichen Glaubens (10 Gebote, Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Taufe, Heiliges Abendmahl und Beichte) und ihre Erklärung in den Händen des Hausvaters liegen sollte. Bucer, der theologisch zwischen Luther und Zwingli stand, verbrachte seine letzten Lebensjahre an der Universität Cambridge, und übte so auch auf die englische Reformation einen gewissen Einfluss auf. Der Besuch seines Denkmals durch eine lutherische Konfirmandengruppe mit einem anglikanischen Bischof hatte auch dadurch seinen eigenen Charme.
(Martin Fromm)
