Die Video-Aufzeichnung dieses Gottesdienstes finden Sie hier.

Eröffnung

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.                           

 

Eingangspsalm: Psalm 27,1.7-14

Psalm 27

Der HERR ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

            Der HERR ist meines Lebens Kraft;

            vor wem sollte mir grauen?

HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der HERR nimmt mich auf.

HERR, weise mir deinen Weg

und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!

Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf

und tun mir Unrecht ohne Scheu.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN

im Lande der Lebendigen.

Harre des HERRN!

Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

      wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

      und in Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Ewiger Gott, du regierst in Weisheit und Güte. Sende uns deinen Geist und lenke uns nach deinem Willen, dass wir dir mit aufrichtigem Herzen dienen. Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Epistel: Epheser 3,14-21

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen  Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun  kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der  Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

 

Gebet

Ich will dich loben mein Leben lang und meine Hände aufheben zu dir.

Dich will ich ehren, nimm Herr, mein Leben und mach du selber dir daraus ein Lob.

Jubel und Dank sei dir, Jesus, Erlöser, dass du dein Gnadenlicht über mich stellst. Amen.

 

Evangelium: Johannes 15,26-16,4

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

 

Glaubensbekenntnis

 

Kurzpredigt zum Evangelium

Vor der Abiturprüfung: „Hast du auch genug Tintenpatronen? Denk an Deine Uhr! Vergiss nicht, zwischendurch Traubenzucker zu essen! Lies dir die Fragen in Ruhe durch! Alles Gute, mein Schatz! Du schaffst das!“

 

Am Bahnhof: „Kontrollier nochmal ob dir auch nichts fehlt! Ist dein Koffer auch nicht zu schwer? Hier noch 10,-€ für einen Snack beim Umsteigen! Grüß Alex von uns! Sitz nicht nur am Schreibtisch, treib zwischendrin Sport! Halt die Ohren steif – und ruf an, wenn du da bist!“

 

Im Seniorenheim: „Streitet euch bitte nichts um Erbe! Haltet die Familie zusammen! Ihr wisst – ich liebe euch alle, sagt das bitte auch den Kindern! Der Herr segne euch!“

 

Drei von unzähligen Abschiedssituationen – jeder von uns hat viele weitere erlebt.

In den guten Wünschen und Ermahnungen, die wir einander beim Abschied mitgeben, spiegeln sich unsere Hoffnungen und Sorgen. Wir sprechen auch unsere Gefühle aus – oft inniger als im Alltag.

Was auch immer im Einzelnen gesagt wird, letztlich läuft es stets auf das Gleiche heraus: Mögest Du glücklich, erfüllt und behütet leben!

Selbst Menschen, die sich im Streit trennen, sagen sich Ade – und geben dem anderen damit (bewusst oder unbewusst) einen Segen mit: „Adieu“, zu Deutsch: „Gott befohlen!“

 

Das Evangelium des heutigen Tages ist eine Abschiedsrede Jesu. Jesus bereitet seine Jünger vor – sie müssen nach seiner Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt  ‚alleine zurechtkommen‘. Wobei das ‚alleine‘ so natürlich nicht stimmt – der Heilige Geist wird die Jünger erfüllen und dem Vater und dem Sohn in den Herzen der Jünger eine Wohnung bereiten.

 

Trotzdem entsteht mit der Himmelfahrt des Meisters für die Schüler eine grundlegend andere, neue Situation. Aber Jesus gibt seinen Jüngern keine guten Worte und besorgten Ratschläge mit, sondern drastische Mahnungen: 

Fallt nicht ab!

Rechnet mit dem Schlimmsten!

Seid bereit, für mich zu sterben, wenn die Stunde kommt!

 

Mit viel Phantasie mag man sich eine „gebrannte“ Ehefrau vorstellen, die ihrem Mann für die mehrtägige betriebliche Weiterbildung mit auf den Weg gibt: „Geh nicht fremd!“ – aber wohl kaum: „Lass dich umbringen“!

 

Die Abschiedsrede Jesu ist wirklich harter Toback! Keiner vor ihm hat so geredet und keiner nach ihm – und ganz bestimmt keiner von uns!

C.S. Lewis (*1898, +1963), Professor der Universitäten Oxford und Cambridge und einem großen Publikum als Autor der „Chroniken von Narnia“ bekannt, hat in seinem Buch: „Pardon, ich bin Christ“, folgendes über Jesus und seinen Anspruch geschrieben:

Ein bloßer Mensch, der solche Dinge sagen würde, wie Jesus sie gesagt hat, … wäre entweder ein Irrer – oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war – und ist – dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Wir können ihn als Geisteskranken einsperren, wir können ihn verachten oder als Dämon töten. Oder wir können ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber wir können ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.

 

Auf den Punkt gebracht: Diese Abschiedsrede stammt entweder aus dem Mund eines Irren oder der, der hier spricht ist wirklich Gottes Sohn. Eine dritte Möglichkeit ist ausgeschlossen! Hier kommst DU nicht um eine Entscheidung herum!

 

Wenn du sagst: „Jesus war wahnsinnig“, nun gut, dann ist er für dich erledigt – aber dann komm nicht an und erzähle etwas von christlichen Werten, von Achtung vor der Würde des Menschen, von Mitleid mit den Armen oder gar vom ewigen Leben, denn das alles wirfst du mit Jesus zusammen über Bord! Das alles ist nicht von IHM zu trennen – und wie könnte ein offensichtlich größenwahnsinniger Spinner bleibende Lehren für die Welt verkünden oder gar begründet Hoffnung auf die Ewigkeit machen?

Wenn du aber sagst: „Jesus ist Gottes Sohn“, dann nimmst du dich damit selber in die Pflicht! Du musst, wie Jesus das von seinen Jüngern verlangt, Zeuge für ihn sein! Dann braucht die Welt seine Botschaft dringender als alles andere: Denn an ihm entscheidet sich Leben und Tod, Unheil und Heil, Himmel und Hölle! Diese Botschaft – da kannst du gewiss sein! – wird nicht jeder hören wollen. Wenn du sagst: „Jesus war ein netter Kerl“, dann wirst du vielleicht belächelt – aber bedroht wirst du nicht. Wenn du aber sagst: „Nur Jesus rettet!“, dann kannst du dich auf Widerspruch gefasst machen! Dann kann es dir auch ganz leicht passieren, dass dich die Apostel der Toleranz ausgrenzen oder sogar niederschreien! Glaub mir: Viele können im Namen der „Geistesfreiheit“ ordentlich hinlangen: „Hätt Maria abgetrieben, wär Jesus uns erspart geblieben“, gehört dann noch zu den harmloseren Sprüchen. Und schon sind wir bei der Forderung Jesu: „Fallt nicht ab“ – das heißt: „Steht zu mir, wenn es hart auf hart kommt!“

 

„Rechnet mit dem Schlimmsten“ – da denken wir natürlich an die Religionsverfolgung in Nordkorea, an die Massaker an Christen durch Boko Haram in Nigeria oder an die Todesdrohungen  gegen Kopten in Ägypten. Die Christen, die Tag für Tag staatlicher Unterdrückung oder terroristischer Bedrohung trotzen, sind Vorbilder für uns!  

 

Aber sie erinnern uns auch daran, dass Christen überall zu Opfern werden können. Selbst die christlichste Industrienation, die USA, haben Erfahrungen mit brutaler Gewalt gegen Gläubige. Anfang Oktober 2015 verübte ein gewisser Christopher Harper-Mercer am Umpqua Community College in der Kleinstadt Rosenburg, Oregon, ein Massaker. Er fragte die von ihm bedrohten Studenten: „Bist du Christ?“ – wer „Ja“ sagte, den tötete er mit dem menschenverachtendem Spruch: „Bald wirst du Gott sehen!“ Andere dagegen schoss er „nur“ ins Bein. Neun Menschen wurden von ihm ermordet, sieben verletzt.

Seid bereit, für mich zu sterben, wenn die Stunde kommt – sagt Jesus.

 

Jesus bereitet die Jünger, er bereitet uns auf das vor, was kommen kann. Es kann kommen, weil Menschen IHN nicht erkennen – und ihn und seine Jünger darum hassen.

Jesu Abschiedsrede ist von einem tiefen Ernst geprägt, den man nicht durch flotte Sprüche überdecken kann. Sie stellt uns vor zwei Fragen:

Ist Jesus der, der er zu sein beansprucht – nämlich der Sohn Gottes?

Bist du, was du zu sein beanspruchst – nämlich Christ?

 

Wenn du beide Fragen mit „Ja“ beantwortest, dann höre seine Mahnungen:

Fall nicht ab!

Rechne mit dem Schlimmsten!

Sei bereit, für mich zu sterben, wenn die Stunde kommt!

 

Billiger ist die Nachfolge Jesu nicht zu haben!  Aber sei gewiss – der Weg mit Jesus führt in die Herrlichkeit!

 
Lied: Jesu, geh voran

  1. Jesu, geh voran / auf der Lebensbahn! / Und wir wollen nicht verweilen, / dir getreulich nachzueilen; / führ uns an der Hand / bis ins Vaterland.

  2. Soll’s uns hart ergehn, / lass uns feste stehn / und auch in den schwersten Tagen / niemals über Lasten klagen; / denn durch Trübsal hier / geht der Weg zu dir.

  3. Rühret eigner Schmerz / irgend unser Herz, / kümmert uns ein fremdes Leiden, / o so gib Geduld zu beiden; / richte unsern Sinn / auf das Ende hin.

  4. Ordne unsern Gang, / Jesu, lebenslang. / Führst du uns durch raue Wege, / gib uns auch die nöt’ge Pflege; / tu uns nach dem Lauf / deine Türe auf.

   

Fürbitten

Herr Jesus Christus, durch den Heiligen Geist bist du in unserer Mitte, wir bitten dich:

Leite deine Christenheit, dass sie dir von Herzen vertraut, deine Gebote befolgt und sich durch den Heiligen Geist immer wieder erneuern lässt. Mach uns alle zu deinen Zeugen: Herr, erbarme dich.  

 

Wir bitten dich für die christlichen Schwestern und Brüder, die wegen ihres Glaubens Verfolgung,  Bedrückung und Lebensgefahr erleiden; die in Kriegs- und Krisengebieten ausharren, um zu helfen; die ihren Beitrag zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Ländern leisten: Schütze und schirme sie, überwinde den Hass, dem sie ausgesetzt sind, schenke ihnen Kraft, Mut und Hoffnung, damit sie durch ihr Lebenszeugnis viele für dich gewinnen: Herr, erbarme dich.  

 

Nimm unsere Soldaten, die fern der Heimat und der Familie ihren Dienst für Gerechtigkeit und Frieden leisten, unter deinen Schutz und Schirm. Hilf unseren Polizisten, unseren Rettungskräften, den Mitarbeitern im Entwicklungsdienst und den Technik-Experten, die sich in die Armutsgebiete der Welt senden lasse. Begleite die jungen Freiwilligen, die in aller Welt soziale, diakonische und missionarische Einsätze leisten bei ihrem Dienst: Herr, erbarme dich.

 

Wir bitten dich für die Schüler, die in diesen Tagen ihre Abschlussprüfungen machen: Gib ihnen Durchhaltevermögen in dieser ganz besonderen Lage. Steh ihnen zur Seite auf der Suche nach einer Orientierung für ihr Leben, bei ihren Zukunftsplänen und bei der Verfolgung ihrer Ziele: Herr, erbarme dich.

 

Verbinde, Herr, alle Menschen in Gerechtigkeit und Liebe: hilf, dass Alte und Junge einander verstehen, Schwache und Starke sich ergänzen, Menschen mit und ohne Behinderung Freunde werden. Heile die Kranken. Gib Ärzten und Pflegekräften Ausdauer, Liebe und Mut. Hilf einem jeden in seiner Not: Herr, erbarme dich.

 

Erhöre unser Gebet, Herr Jesus Christus, der du uns vor dem Vater vertrittst, um deiner großen Liebe willen – das bitten wir in der Kraft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Vaterunser

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden. Amen.

 

 

Ordnung für den Hausgottesdienst am Sonntag Exaudi, 24.05.2020

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