Geistlicher Begleiter durch die Karwoche und die Ostertage 2021

 

erstellt von Pfarrer Martin Fromm

 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

ich freue mich, dass Ihr unseren „Geistlichen Begleiter“ für die wichtigste Woche im Kirchenjahr zur Hand genommen habt. Hier findet Ihr Andachten zu den Feiertagen, ein Osteranspiel für die Familie und Erklärungen zu unseren alten Festbräuchen. Ich hoffe, dass Ihr die Tage des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn intensiv erlebt und den Trost und die Kraft des Evangeliums erfahrt. Auf Gemeindegottesdienste in unseren Kirchen verzichten wir angesichts der Infektionslage.   

 

Aufzeichnungen unserer Andachten findet Ihr zur Mitfeier auf dem youtube-Kanal der Kirchengemeinde Rüdenhausen https://www.youtube.com/channel/UCWKrIWDTJ94imAB9BtCpUTg

 

Zur festen Tradition unserer Pfarrei gehört das „Gebet zur Sterbestunde Jesu“ am Karfreitag um 15.00 Uhr, das von der Kantorei Gnadenkirche musikalisch gestaltet wird. Durch die technischen Fähigkeiten unseres Kirchenvorstehers Jochen Schwemmer war es möglich, mit Hilfe alter Konzertaufnahmen der Kantorei und des Rüdenhäuser Posaunenchors eine Andacht zusammenzustellen.

 

Bitte macht von der Möglichkeit Gebrauch, mit Pfarrer Fromm im kleinen Rahmen oder im Familienkreis eine kurze Sakramentsandacht zu feiern. Die Vereinbarung eines individuellen Termins in der Kirche oder einer Hausabendmahlsfeier ist im Pfarramt unter der Telefonnummer 09383/345 oder per E-Mail unter der Adresse: martin.fromm@elkb.de möglich.

 

Am Ostersonntag um 14.30 Uhr findet auf dem Kirchplatz eine musikalische Andacht des Posaunenchors Rüdenhausen statt.  Herzliche Einladung dazu!

 

Ich wünsche Euch allen den Frieden und die Freude unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus.

Euer Pfarrer Martin Fromm

GRÜNDONNERSTAG

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Gott.

 

Bußpsalm: Psalm 139 in Auswahl

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

          Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

          du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

          das du, Herr, nicht schon wüsstest.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

          Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,

          und leite mich auf ewigem Wege.

Herr, erbarme dich. / Christus, erbarme dich. / Herr, erbarme dich.   

 

Evangeliumslesung: Johannes 13,1-15

Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr

euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.

 

Auslegung

Das heutige Evangelium ist eine zeichenhafte Predigt. Jesus predigt mit der Fußwaschung das Wesen Gottes, der die Liebe ist. Jesus erklärt, dass er aus Liebe seinen Platz zur Rechten des himmlischen Vaters verließ, um den niedrigsten Platz auf dieser Welt einzunehmen. Er, der in göttlicher Gestalt war, nahm Knechtsgestalt an, war gehorsam bis zum Tod am Kreuz und wurde darum von Gott erhöht – wie der Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi schreibt. Das heutige Evangelium ist eine zeichenhafte Predigt zur Epistel des Palmsonntags!  

 

JESUS wäscht UNSERE Füße! UNSERE Füße, die auf unserer Erdenwanderung auf den Champs-Elysées flaniert und über Stock und Stein gegangen sind. Mit ihnen sind wir durch Pfützen gewatet und sie haben uns auf strahlende Bergeshöhen getragen. Auf dem Siegerpodest sind sie ausgeglitten und im Morast haben sie uns festen Stand verliehen. Mancher hat sich zu böser Tat auf leisen Sohlen angeschlichen, ein anderer ist mit hartem Tritt dem Schlachtfeld entgegen marschiert, wieder eine hat Nacht für Nacht still an einer Straßenecke gestanden. Ob in Highheels oder Moonboots, in Sneakers oder Stahlkappenschuhen … unsere Füße sind mit uns alle unsere krummen oder geraden Wege gegangen. Unsere Füße erzählen von unserem Leben: hinter jeder Blase, jedem eingewachsenen Zehennagel, jeder Schrunde steckt eine Geschichte. Alter, Krankheit, Sportunfälle haben ihre Spuren auf ihnen hinterlassen. Selbst unser Gottesverhältnis lässt sich an ihnen ablesen: Haben wir uns Hornhaut gelaufen in der Nachfolge des Herrn?

 

Jesus kniet heute vor DIR – und während er an deinen Füßen deinen Lebensweg abliest, kannst Du seine Liebe an seinen Händen erkennen:   

Er, dem der Vater das ganze All in die Hände gegeben hat, nimmt deine müde und wund gelaufenen Füße zärtlich in eben diese Hände. Er spült den Schmutz ab, tupft offene Stellen aus und massiert die verkrampften Zehen.

Seine verwundeten Hände werden am Kreuz Deinen Sündendreck – und den  der ganzen Welt – wegschaffen.

Vom Schandholz herab werden sie die verlorene Welt segnen!

Und Gott wird allen durch diese Hände seine Hand zur Versöhnung reichen!

Unsere Füße, seine Hände – sie erzählen von menschlichen Fehltritten und dem Handeln der göttlichen Liebe!

ABER: Können wir, wollen wir, diese göttliche Liebe auch annehmen?

 

Petrus weist die Liebe Jesu zuerst ab! „Keinesfalls sollst du mir die Füße waschen!“, das heißt: „Ich brauche deine Zuwendung, deine Hilfe, dein Erbarmen, dein Opfer, deine Liebe nicht, Jesus!“ So schwach, bedürftig, elend, hilflos, sündig, schmutzig bin ich nicht!

 

Damals wie heute gilt: Es gibt keinen Glauben ohne die schonungslose Selbsterkenntnis: „Doch, genauso schwach, bedürftig, elend, hilflos, sündig, schmutzig bin ich! Und ich brauche diese Zuwendung, diese Hilfe, dieses Erbarmen, dieses Opfer, diese Liebe Jesu – lebensnotwendig!“ (Petrus begreift das am nächsten Tag im Hof des Hohenpriesters, als er nicht stark genug ist, um sich zu Jesus zu bekennen – und sich hinterher beinahe zu Tode schämt!)

 

Jesus gibt Petrus die Antwort: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir!“ Das bedeutet: „Wenn Du meine Zuwendung, meine Hilfe, mein Erbarmen, mein Opfer, meine Liebe nicht annimmst, gehörst Du nicht zu mir!“ Glauben heißt – kurz gesagt: Den Gottes-Dienst Jesu annehmen, seine Liebe zulassen!

Jetzt zeigt sich gleich noch einmal, wie fern Petrus vom Glauben ist! Petrus macht eine ebenso simple, wie seltsame Rechnung auf: „Wenn Jesus mir die Füße wäscht, dann habe ich hinterher Anspruch auf ein Teil von Jesus! Und wenn er mir außer den Füßen auch noch die Hände wäscht, dann gehört mir danach sicher ein größeres Stück von ihm. Wenn er mir zusätzlich den Kopf wäscht, dann ist er ganz und gar mein Eigentum!“ Petrus will Jesus  für sich allein! Ist das nicht verrückt: Einerseits glaubt Petrus, er habe die Rettung durch Jesus gar nicht nötig – und andererseits will er Jesus allein für sich haben? Ja, das ist verrückt, völlig verrückt – und es ist doch durch und durch menschlich!

 

Aber als Petrus das ausspricht, bekommt er von Jesus den Kopf gewaschen! ALLE, ALLE Menschen brauchen ihn und seine reinigende Liebe – denn keiner kommt durch diese Welt, ohne sich die Füße schmutzig zu machen, und keiner kommt mit schmutzigen Füßen ins Reich Gottes! Nach Ostern wird Petrus für den Rest seines Lebens auf vielen staubigen Straßen dieser Welt unterwegs sein, um die Botschaft zu den Menschen zu bringen: Die Sünde hat euch verdreckt, aber ihr seid abgewaschen und rein gemacht durch das Blut Jesu Christi. 

 

Zuletzt fordert Jesus die Jünger auf, einander die Füße zu waschen, der Welt nach seinem Vorbild selbstlos zu dienen, denen, die schwach, bedürftig, elend, hilflos, sündig, schmutzig sind beizustehen – und ihnen den vor Augen zu stellen, dessen Liebe ihr Heil ist.

 

Und damit sind wir bei uns, ja, bei DIR! Denn an dieser Stelle muss ich Dich als Jesu Bote fragen:

Erkennst Du die Tiefe Deiner Verlorenheit und Deines Elends? Suchst Du die Vergebung deiner Schuld? Kannst Du die Liebe Jesu, seinen selbstlosen Dienst, sein Opfer am Kreuz für Dich annehmen? Gönnst Du anderen die Gnade Gottes, die Erlösung, das Heil? Und bist Du bereit, Ihnen in Wort und Tat zum Boten von Jesu Liebe zu werden?

 

So sprich – hier und heute – Dein ganz bewusstes und persönliches: Amen. 

 

Gebet

Jesus, Danke, dass ich so zu Dir kommen kann, wie ich bin – mit schmutzigen Füßen und mit einem Herz, in dem viel Böses steckt. Du kennst mich, Du weißt, wie ich bin – besser als ich selbst. Du liebst mich – mehr als ich selber das tue, sogar an den Tagen, an denen ich mich nicht mag. Du bist der Herr – und doch dienst du mir. Du wäschst mir den Straßenschmutz von den Füßen und Du reinigst mein Herz. Du bist am Kreuz gestorben – für MICH. Soviel bin ich Dir wert, so sehr liebst Du MICH. Hilf mir: Ich will Dich lieben, ich will mit Dir leben, ich will Dir nachfolgen und dir in den Menschen dienen – hier und jetzt und in Deinem Reich für immer. Amen.  

 

Vaterunser

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Choral: Das Wort geht von dem Vater aus

  1. Das Wort geht von dem Vater aus / und bleibt doch ewiglich zu Haus, / geht zu der Welten Abendzeit, / das Werk zu tun, das uns befreit.

 

  1. Da von dem eignen Jünger gar / der Herr zum Tod verraten war, / gab er als neues Testament / den Seinen sich im Sakrament,

 

  1. gab zwiefach sich in Wein und Brot; / sein Fleisch und Blut, getrennt im Tod, / macht durch des Mahles doppelt Teil / den ganzen Menschen satt und heil.

 

  1. Der sich als Bruder zu uns stellt, / gibt sich als Brot zum Heil der Welt, /
    bezahlt im Tod das Lösegeld, / geht heim zum Thron als Siegesheld.

KARFREITAG

 

Choral: Herr, stärke mich

  1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, / mich in das Meer der Liebe zu versenken, / die dich bewog, von aller Schuld des Bösen / uns zu erlösen.

 

  1. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden / und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, / an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, / die Sünde tragen:

 

  1. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! / Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, / mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde / den Fluch der Sünde.

 

  1. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; / Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen. / Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken / am Kreuz erblicken.

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Der Herr ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 

 

Jesaja 53

Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.

 

Fürwahr, er trug unsre Krankheit

und lud auf sich unsre Schmerzen.

Wir aber hielten ihn für den, der geplagt

und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet

und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten,

und durch seine Wunden sind wir geheilt.

 

Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.

 

Evangelium: Lukas 23,33-49

Als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie Jesus dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!

 

Auslegung

„… und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.“

Am Karfreitag haben sich die Jünger enttäuscht, wütend und ängstlich irgendwo verkrochen. Ihr Glaube trägt nicht mehr angesichts des Kreuzes. Ihr Glaube galt dem starken Messias Israels, der die Massen mit seinen Worten angezogen, der die Kranken geheilt, der die Besessenen befreit, der die Toten erweckt hat und der als umjubelter Liebling des Volkes in Jerusalem eingezogen ist.

Ab hier lief dann alles ganz anders als erwartet – und innerhalb weniger Tage haben die Jünger ihren Glauben eingebüßt! Denn am Ende des festlichen Einzugs in die Heilige Stadt stand keine Huldigung, keine Krönung, keine Thronbesteigung des „Königs der Juden“, sondern das Kreuz. Und an den mit Schlägen aus Jerusalem getriebenen, beschimpften, mit Dornen gekrönten, ans Holz genagelten „König der Juden“ glauben sie nicht.

Darum sind sie auch nicht zur Schädelstätte gekommen – Jesus hat ihre Erwartungen nicht erfüllt, er hat sie im Stich gelassen, jetzt verlassen sie ihn!   

 

Dennoch stirbt Jesus nicht allein! Denn da sind – zu seiner Rechten und seiner Linken – die Übeltäter, die in der Todesstunde bei und an ihm hängen!

Sie können Jesus nicht verlassen, sie müssen bei ihm aushalten – und die Begegnung mit ihm (so furchtbar ihre Umstände auch sind), stellt sie vor die gleiche Frage, die jeder sich stellen muss, der ihn trifft: „Wer bist du?“     

 

Natürlich hatten sie vorher schon von ihm gehört – schließlich war er in Jerusalem Stadtgespräch. Wer weiß, vielleicht hatten sie sogar Hoffnungen in Jesus gesetzt. Das Neue Testament bezeichnet die Übeltäter auch als Räuber – und das war eine weit verbreitete Umschreibung für Terroristen, für gewalttätige religiöse und politische Fanatiker. Sie, die sich selbst Zeloten (Eiferer)  nannten, wollten das Land Israel von der Römerherrschaft reinigen, die Fremden und ihre Unterstützer ins Mittelmeer jagen, die Reichen und Mächtigen vernichten – und dann, so glaubten sie, würde der Messias kommen und aus Israel das Reich aller Reiche machen. 

 

„Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ Aus den Worten des einen Übeltäters spricht weniger Spott und Verachtung, als vielmehr Bitterkeit und Enttäuschung. Der Christus, der Messias, endet nicht am Kreuz! Wenn Jesus der Messias wäre, dann würde er das Exekutionskommando zerschmettern, die Wachen, die Gaffer, die Priester, Pilatus und seinen Kaiser gleich mit – und sich auf den Thron der Herrlichkeit setzen. Jetzt – allerspätestens jetzt! – wäre die Stunde da, in der Jesus vom Kreuz steigen, die Leidensgenossen mitnehmen und beweisen müsste, dass er der ist, für den ihn so viele halten! Jetzt müsste er in der Kraft Gottes den einen großen Schlag führen! 

 

Merkt Ihr was? Die Jünger, der Räuber – die denken gar nicht so verschieden. Sie alle wollen einen König der Juden mit goldener Krone, Zepter und Schwert, der auf prächtigem Thron über das Weltreich Israels gebietet. Sicher, im Traum der Jünger nimmt der milde Davidssohn Jesus dem Römerkaiser den Lorbeerkranz mit sanften Händen vom Haupt, während die Zeloten sehen wollen, dass der Kopf des Herrschers fällt. Aber letztlich berauschen sich alle an der Stärke und Kraft des Sohnes Gottes – geben sich Machtphantasien hin. Und darum kommen sie nicht klar mit dem gekreuzigten „König der Juden“.

 

Das ist nicht erstaunlich – sondern menschlich durch und durch! Denk mal ehrlich zurück an Deine letzten Gebete! Hast Du darum gebeten, dass der allmächtige Gott dem Coronavirus auf der Stelle ein Ende macht – oder dass Jesus an den Betten der Sterbenden wacht und ihnen am Ende die Augen zudrückt? Hast Du für Erfolg im Beruf, der Schule, der Liebe, vielleicht sogar dem Spiel gebetet – oder um die Geduld Christi, damit du alle Misserfolge, die auf dich warten, annehmen kannst? Hast Du Dir gewünscht, dass Gott mit harter Hand in Myanmar, im Jemen, in Äthiopien etc. für Ordnung sorgt – oder dass Du Wege findest, die Not der Opfer zu lindern? Gott kann Wunder vollbringen, kalte und heiße Kriege beenden, Seuchen abwenden und Kranke genesen lassen, er kann die Gewaltigen vom Thron stürzen und die Niedrigen erhöhen! Wenn dieser Glaube hinter Deinen Gebeten steht, liegst Du mit Deinen Bitten nicht grundsätzlich falsch! ABER was wird aus Deinem Glauben, wenn Gott beschließt, nicht den Weg der Allmacht, sondern der Ohnmacht mit Dir zu gehen? Der Glaube der Jünger hat bis zum Tempel gereicht, aber nicht zur Schädelstätte Golgatha! Der Glaube des einen Übeltäters auch nicht! Und wie ist das mit Deinem Glauben? Bist Du der Sanftmut, der Güte, der Nachsicht, der Gnade, der Hingabe, der Aufopferung, des Mitleides, der Vergebung, der selbst gewählten Schwäche des liebenden Gottes gewachsen – oder ist die Allmacht dein Gott, ja, dein Götze? Betest Du die eiserne Faust des Höchsten an, in der Hoffnung, dass sie nicht Dich, sondern deinen Gegner trifft – oder küsst du die nageldurchbohrte Hand, die sich Dir unter furchtbaren Schmerzen entgegen streckt?

 

Der zweite Übeltäter erkennt in dieser Hand die Hand Gottes! Er begreift – und das ist ein gewaltiges  Wunder!: In der zerfetzten, blutigen Hand des sterbenden Jesu liegt das ewige Leben und das Reich Gottes!

 

Der zweite Übeltäter wird so der erste Christ! Er glaubt als erster an den „König der Juden“, dessen Triumphzug ein Todesmarsch ist, dessen Krone ein Gebinde aus Dornen, dessen Thron ein Kreuz – und der auf diesem Weg Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Versöhnung, Frieden und Heil für alle erringt. Er glaubt als erster an den, dessen Tod Leben für die Welt und dessen Reich nicht von dieser Welt ist! Er glaubt als erster an den, der ihn nicht von seiner Kreuzespein befreit, aber am Kreuz bei ihm ausharrt! Er glaubt als erster an den allmächtigen Gott, der sich aus Liebe zu ihm der Ohnmacht ausliefert!    

 

Die Jünger, die sich am Karfreitag irgendwo verkrochen haben, werden all das erst nach Ostern verstehen! 

Unzählige verstehen das bis heute nicht, auch viele Christen haben damit riesengroße Schwierigkeiten. Der Apostel Paulus sprach vom „Skandal des Kreuzes“! Denn das Kreuz ist das Gegenteil von dem, was Menschen sich von Gott erbitten, erhoffen und erwarten!

Und doch ist es der Weg, den der liebende Gott mit uns geht – der uns nicht überwältigen, bezwingen, in seine Gewalt bekommen oder beherrschen möchte, sondern anrühren mit seiner Liebe! Seine Liebe – und nur seine Liebe – öffnet uns das Paradies!

 

Natürlich dürfen wir ihn darum bitten, mit seiner Macht einzugreifen und Krankheit, Gefahr und Tod von uns, unseren Lieben, unserer Welt abzuwehren. Jesus hat Blinde sehen und Lahme gehen gemacht, er hat Aussätzige gereinigt und Tauben die Ohren aufgetan, er hat Toten das Leben wieder geschenkt und Arme glücklich gepriesen – und  all das tut er auch heute noch. Aber christlicher Glaube bleibt bei dieser Hoffnung nicht stehen, er sieht tiefer! Dieser Glaube würde – wie der ursprüngliche Glaube der Jünger – am Felsen Golgatha zerschellen. Der echte christliche Glaube erkennt: Gott ist auch in Krankheit, Gefahr und Tod am Werk – ja, gerade hier sind wir dem Gekreuzigten ganz nahe und er uns.

 

Jesus begegnen wir auf Golgatha! Leidend am Kreuz!

Sterbend zwischen zwei Übeltätern!

Hier – nur HIER an der Schädelstätte – lernen wir christlich Glauben!      

 

Kyrie

Herr, erbarme dich. / Christus, erbarme dich. / Herr, erbarme dich.

 

Vaterunser

 

Gebet

Ich bete dich an, Christus, und preise dich,

durch dein Sterben am Kreuz hast du mich erlöst, für meine Sünden bezahlt,

mir die Gnade des Vaters erworben. Dafür danke ich dir.

Lass mich dich lieben, lass mich dir folgen auf dem Weg,

lass mich ausharren unter deinem Kreuz,

lass mich durch deinen Tod ins Leben gelangen.

Dich, Christus, bete ich an und preise ich. Amen.      

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Choral: O Haupt voll Blut und Wunden

  1. O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn,/ o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, / o Haupt, sonst schön gezieret / mit höchster Ehr’ und Zier, / jetzt aber höchst schimpfieret; / gegrüßet sei’st du mir!
  2. Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut / das große Weltgewichte, / wie bist du so bespeit! / Wie bist du so erbleichet! / Wer hat dein Augenlicht, / dem sonst kein Licht nicht gleichet, / so schändlich zugericht’t?
  3. Die Farbe deiner Wangen, / der roten Lippen Pracht / ist hin und ganz vergangen; / des blassen Todes Macht / hat alles hingenommen, / hat alles hingerafft, / und daher bist du kommen/ von deines Leibes Kraft.
  4. Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab’ es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh’ ich Armer, / der Zorn verdienet hat; / gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad’!

 

Unsere Osterbräuche

 

Das Osterlamm

Der Brauch des Osterlamms hat seinen Ursprung im jüdischen Passahfest. Beim Passahfest erinnert sich das jüdische Volk an seine Befreiung aus Ägypten: „Einst waren wir Knechte des Pharao in Ägypten, da führte uns der Ewige, unser Gott, von dort heraus mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm“. Der Pharao hatte sich lange geweigert, seinen jüdischen Sklaven die Freiheit zu schenken, er hatte sie stattdessen immer schwerer arbeiten lassen. In der Passahnacht schickte Gott den Todesengel durch das Land, um die Ägypter zu bestrafen. Die jüdischen Sklaven sollten in dieser Nacht mit ihren Familien in ihren Häusern bleiben und ein Fest der Freiheit feiern. In jeder Familie kam ein gebratenes Lamm auf den Tisch. Ein wenig vom Blut des Lammes hatte man benutzt, um ein Zeichen an der Haustür zu machen. Wo der Todesengel das Blutzeichen sah, ging er vorüber. Darum heißt das Fest Passah, auf Deutsch „vorübergehen“.

Wir Christen glauben: Jesus ist unser Passahlamm (1. Kor 5,7). Er ist für uns am Kreuz gestorben, er hat für uns sein Blut vergossen, er hält den Todesengel von uns ab, er befreit uns von der Sklaverei der Sünde, er schenkt uns das ewige Leben. Darum singen wir: „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser!“

 

In vielen Familien kommt beim Osterfrühstück ein Rührkuchenlamm auf den Tisch. Hier unser bewährtes Familienrezept für ein Osterlamm:

100g Marzipan

2 Eier

75g Butter

50g Zucker

1 Prise Salz

100g Dinkelmehl

1 TL Backpulver

Puderzucker zum Bestreuen

Zubereitung: Marzipan und Eier verrühren. Butter, Zucker, Salz unterrühren und solange weiterrühren, bis der Zucker gelöst ist. Mehl und Backpulver mischen und unter die Masse mischen. Lammform mit Butter einfetten. Den Teig hineingeben und im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene bei 175°C 40-45 Min. backen. Das Lamm nach dem Backen in der Form auskühlen lassen und die Form erst lösen, wenn es ganz abgekühlt ist. Eventuell die Unterseite glatt abschneiden, damit das Lamm gut stehen kann. Mit Puderzucker bestreuen. (Oder mit Zuckerguss aus Puderzucker und Zitronensaft bestreichen.)

Das Osterei 

 

 

 

 

 

 

 


„Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus Christus das Grab zerbrochen.“

Das Ei wurde zu DEM Osterzeichen, weil den Menschen der Vergleich mit dem Grab Christi passend erschien. Wie im geschlossenen Ei das Leben wächst – so ersteht im verschlossenen Grab Christus von den Toten zum ewigen Leben. So wie das Küken die Schale des Eis durchbricht – so stößt Christus den Stein vom Grab.   

 

 

 


Die Osterkerze

Jesus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Die Osterkerze ist für uns ein wichtiges Zeichen: Jesus, das Licht der Welt, ist nicht im Dunkel des Grabes geblieben. Jesus lebt! 

 

Auch in diesem Jahr können wieder Osterkerzen in der Kirche in Rüdenhausen und in Wiesentheid  im

Garten von Familie Fechner (Nelkenstraße 3) und Familie Mann (Am Lindachsgraben 2) abgeholt werden. 

 

 

 


Was hat der Hase mit Ostern zu tun?    

Wir Christen glauben: Gott ist EINER, aber er ist Vater,

Sohn und Heiliger Geist. Wir verwenden Symbole, um die

Dreieinigkeit Gottes darzustellen. Ein Symbol sind drei

Hasen, die jeweils ein Ohr gemeinsam haben und deren

Ohren ein Dreieck bilden (hier das Drei-Hasen-Fenster am

Dom von Paderborn). Mit so einem Bild bemalten die Leute

früher oft die Ostereier, die man darum „Haseneier“ nannte.

Später entwickelte sich daraus die seltsame Geschichte, der Hase würde die Ostereier bringen. Große und kleine Künstler sollten sich unbedingt mal an einem „echten“ Hasenei zu versuchen.

 

Der Osterspaziergang

Der Osterspaziergang erinnert daran, dass zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus den auferstandenen Herrn Jesus trafen (Lukas 24,13-35):  

Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

OSTERANDACHT FÜR FAMILIEN mit gelesenem Anspiel

Rollen: Erzähler, Maria (Mutter von Jakobus und Joses), Maria Magdalena, Salome, Engel

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Anspiel

Erzähler:

Die Mittagssonne brannte unbarmherzig vom Himmel. Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Joses, und Salome lagen sich weinend in den Armen. Immer wieder blickten sie auf das Kreuz. Da hing Jesus mit ausgebreiteten Armen. Jesus, der Retter, dem sie gefolgt waren. Er hatte Kranke geheilt. Tote erweckt. Er hatte den armen Menschen Mut gemacht. Er hatte allen von der Liebe Gottes erzählt. Und nun musste er sterben. Seine Feinde hatten es so beschlossen. Plötzlich hörten sie einen furchtbaren Schrei. Die Frauen erschraken: Jesus war tot!

 

Maria, Mutter von Jakobus und Joses:

Mein Gott, warum nur? Jesus war doch der beste Mensch, der je gelebt hat – und er wollte für alle nur das Beste! Wieso hat du ihn sterben lassen?

 

Salome:

Jesus war Gottes Sohn! Ich begreife gar nichts mehr! Jesus ist doch gekommen, um allen Menschen die Liebe Gottes zu bringen; allen, die schuldig geworden sind, ihre Sünden abzunehmen und eine neue Welt zu schaffen, in der der Tod keine Macht mehr hat. Und jetzt ist er selber tot …

 

Erzähler:

Langsam wurde es kühler, der Abend brach an. Die drei Frauen saßen zusammengekauert in der Nähe des Kreuzes. Sie weinten lautlos. Sie waren unendlich traurig und müde. Zwei Männer kamen den Hügel hinauf. Sie gingen zum Kreuz. Sie nahmen den toten Jesus vom Kreuz ab und wickelten ihn in ein Leinentuch. Dann brachten sie ihn fort. Die Frauen folgten ihnen. Die Männer trugen den toten Jesus zu einem Felsengrab in der Nähe. Die Frauen sahen, wie sie ihn in das Grab hineinlegten und das Grab mit einem großen Stein verschlossen. Dann gingen sie fort. Auch die Frauen machten sich langsam und traurig auf den Weg nach Hause.

 

Maria Magdalena:

Ihr Lieben, ich kann es immer noch gar nicht glauben: Jesus lebt nicht mehr! Wie soll es jetzt nur weitergehen? 

 

 

Erzähler:

Der nächste Tag war furchtbar für die drei Freundinnen. Sie saßen ganz benommen herum. Immer noch konnten sie nicht fassen, was geschehen war: Ihr Jesus war tot. Am frühen Sonntagmorgen erwachte Salome aus einem unruhigen Schlaf. Sie weckte ihre Freundinnen. Die Männer, die Jesus begraben hatten, hatten seinen toten Körper nicht mit Öl und duftenden Kräutern eingerieben. Das wollten sie jetzt nachholen.

Die Frauen nahmen gutes Öl und Kräuter und machten sich auf den Weg zum Grab. Da fiel Maria Magdalena etwas Wichtiges ein:

 

Maria Magdalena:

Wie sollen wir eigentlich den schweren Stein vom Grab wegbekommen, um Jesus zu salben? Dafür sind wir doch gar nicht stark genug!  

 

Erzähler:

Keine der Freundinnen wusste eine Antwort. Trotzdem gingen sie weiter, es zog sie mit Gewalt hin zum Grab Jesu. Aber plötzlich blieb Maria stehen – wie angewurzelt! 

 

Maria, Mutter von Jakobus und Joses:

Schaut mal – was ist das denn? Das Grab ist ja offen!

 

Maria Magdalena:

Der Riesenstein – er ist zur Seite gerollt!

 

Salome:

Guckt hin, im Grab leuchtet Licht! Sind da etwa Grabräuber am Werk?!

 

Erzähler:

Die Frauen sahen einen jungen Mann in einem langen weißen Gewand. Ein himmlischer Glanz ging von ihm aus. Ein Engel!

 

Engel:

Fürchtet Euch nicht! Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde! Er ist auferstanden! Er ist nicht hier! Schaut ins Grab – dort hat er gelegen, aber er ist nicht mehr da! Er lebt! 

 

Erzähler:

Die Frauen stehen stumm da. Sie trauen ihren Augen nicht! Sie trauen ihren Ohren nicht! Sie sind völlig erstarrt! In ihrem Kopf kreist und dröhnt es: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Aber der Engel bestätigt es ihnen – es ist wirklich wahr!

 


 

Engel:

Geht schnell zu Petrus und zu den anderen Jüngern. Sagt ihnen, dass Jesus auferstanden ist. Sie sollen sich auf den Weg nach Galiläa machen. Dort werden sie Jesus sehen – er selber hat es ihnen früher so gesagt.

 

Erzähler:

Die Frauen machen mit zitternden Knien ein paar Schritte. Sie können nicht sprechen. Sie sind wie betäubt. Sie trotten mit hängenden Köpfen dahin. Plötzlich reißt Maria die Arme in die Luft – sie lacht, sie weint, sie jubelt! Jesus lebt! Sie fällt den Freundinnen um den Hals! Plötzlich ist alles ganz klar: Jesus lebt! Die drei rennen nach Hause – das müssen nicht nur die Jünger, das müssen alle erfahren: Jesus lebt! Gott hat den Tod besiegt! Jesus lebt! Er hat den Menschen ihre Schuld abgenommen und am Kreuz aus der Welt geschafft! Jesus lebt! Die neue Welt hat begonnen – der Tod hat keine Macht mehr! Halleluja!     

 

Lied: Er ist erstanden, Halleluja

  1. Er ist erstanden, Halleluja. / Freut euch und singet, Halleluja. / Denn unser Heiland hat triumphiert,/ all seine Feind gefangen er führt. / Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. / Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

    2. Er war begraben drei Tage lang. / Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank; / denn die Gewalt des Tods ist zerstört; / selig ist, wer zu Jesus gehört. / Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. / Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

    3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! / Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht. / Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: / er ist erstanden, wie er gesagt.« / Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. / Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

Gebet zum Anzünden der Osterkerze

Du, helles Licht, das nicht verlischt, / wahres Licht, das Klarheit bringt, / Glanz, dem das Finstere weicht, / du, Schöpfer und Ursprung allen Lichtes: Erleuchte uns! / Lass in uns das Feuer deiner Liebe brennen. / Sende den Leichtschein des Tages in diese Nacht, / dass er unsere Sehnsucht neu entzünde / nach dem Lichtglanz deines großen Tages, / an dem dein Sohn wiederkommt in Herrlichkeit. Amen.

 

Vaterunser

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

OSTERSONNTAG

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

 

Eingangsgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die Welt dem Tode entrissen durch die Auferweckung deines Sohnes: wir bitten dich, hilf uns, dass wir dadurch eine lebendige Hoffnung gewinnen und alle Angst überwinden. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herr, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit. Amen.

 

Psalm 116

Ich liebe den HERRN,

denn er hört die Stimme meines Flehens.

          Er neigte sein Ohr zu mir;

          darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, 

des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

          Aber ich rief an den Namen des HERRN:

          Ach, HERR, errette mich!

Der HERR ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

          Der HERR behütet die Unmündigen;

          wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der HERR tut dir Gutes.

          Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

          mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem HERRN

im Lande der Lebendigen.

          Ehre sei dem Vater und dem Sohn

          und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

und in Ewigkeit. Amen.

 

 


 

Evangelium: Markus 16,1-8

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

 

Bekenntnis

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters

und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten;

seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Auslegung

  1. Thessalonicher 4,13-18:

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

 

Ruhig, verhalten, nüchtern steht am Schluss des Gotteswortes: Tröstet einander mit diesen Worten. Kein Triumphgeschrei, kein schallendes, Osterlachen, kein kämpferischer Aufruf, Christus die Welt zu Füßen zu legen – nein, nur ein einfaches, seelsorgerliches: Spendet euch gegenseitig Trost durch das Evangelium. Und doch passt diese ruhige, freundliche, – im besten Sinn trostreiche – Aufforderung wunderbar zu diesem Ostermorgen!

Denn ist es nicht so?

An keinem von uns ist dieses letzte Jahr spurlos vorbeigegangen, uns allen hat es Wunden geschlagen, die auch am Ostermorgen nicht plötzlich verheilt sind:

Manche hat hart zu kämpfen hat mit dem Leid um einen lieben Verstorbenen.

Manchen drückt auch heute die Sorge, wenn er an die wirtschaftliche Lage denkt, an die Zukunft der Kinder, an die dauernde Ausnahmesituation, die einfach kein Ende nehmen will, an die Erderwärmung oder die politische Großwetterlage.  

Mancher ängstigt sich um die Gesundheit oder das Schicksal eines Angehörigen oder Freundes.

Manche leidet darunter, dass sie auch diesen Ostertag nicht mit einem großen Festgottesdienst feiern und aus voller Kehle schmettern kann: „Er ist erstanden, Halleluja!“    

Und wer hart kämpfen muss, wer sich Sorgen macht, wen die Angst bedrückt, wer leidet, dessen Herz sucht nicht Jubel, Trubel, Heiterkeit oder lautstarke Kampfesparolen, sondern Trost.

Diesen Trost schenkt uns der Apostel mit der Osterbotschaft.

Jesus, der zu Unrecht Verurteilte, ist auferstanden. Nicht menschliche Willkür, sondern göttliche Gerechtigkeit setzt sich durch.

Jesus, der Schmerzensmann, ist auferstanden. Nicht das menschliche Leid, sondern das göttliche Heil setzt sich durch.        

Jesus, der am Kreuz Getötete, ist auferstanden. Nicht der menschliche Tod, sondern das göttliche Leben setzt sich durch.

Gottes Gerechtigkeit, Gottes Heil, Gottes Leben gehört die Zukunft!

Die Willkür, das Leid, der Tod der Menschen, sie liefern Gott noch Rückzugsgefechte, sie toben noch, im Bewusstsein ihrer Ohnmacht, sie wollen – angesichts der für sie zu Ende gehenden Zeit – noch möglichst viele in den Untergang reißen – aber sie sind zu Tode getroffen, dem Untergang geweiht:

Denn Christus, der Herr, ist auferstanden und mit ihm haben Gottes Gerechtigkeit, Heil und Leben den Sieg errungen, der bald vor aller Augen offenbar werden wird.

 

Dann, wenn Christus wiederkehrt,

wenn alle Toten auferstehen zum Gericht am Tage Gottes,

wenn der Böse seine Schuld tragen muss,

wenn die, die auch im Kreuz beim Herrn  ausgeharrt haben, die selige Ewigkeit bei ihm verbringen,

wenn Christus die Herrschaft in die Hand seines himmlischen Vaters legen wird und Gottes alles in allem wird,

dann werden Gottes Gerechtigkeit, Heil und Leben für alle sichtbar,                    dann müssen alle Kreaturen ihre Knie beugen vor seiner Majestät und Herrlichkeit, dann wird aus den Kehlen der Erlösten, der Engel, der Mächte und Gewalten für immer der Jubelchor erklingen:

„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“        

 

In der Zwischenzeit, der Zeit zwischen Ostern und der Wiederkunft Christi, leben wir Christen vom Trost und von der Hoffnung.

Vom Trost, weil der Tod, der uns auf Erden quält, dem täglich Millionen zum Opfer fallen durch Alter, durch Krankheit, durch den Straßenverkehr, durch Verbrechen, durch Hunger, durch Naturkatastrophen, durch Terror, durch Krieg – weil der Tod in der Auferstehung Jesu sein Anrecht auf uns verloren hat. Ja, wir werden sterben, aber nicht der Tod, sondern das Leben erwartet uns. Christus hat uns die Tür aufgestoßen in das Reich des Vaters, die Tür, die wir durchschreiten, ist der Tod. Wir werden durch den Tod heimkehren zum Herrn, wir werden, wie er selbst uns verheißen hat, mit ihm im Paradies sein.

Von der Hoffnung, weil alles Böse, was wir anderen und uns selbst antun und was uns angetan wird, durch Gott gerichtet wird, weil alles, was uns und anderen Schmerz bereitet: Hass, Gewalt, Gleichgültigkeit, Raserei, Gier, Krankheit, Sünde, Tod und Teufel im Reich Gottes für immer überwunden ist. Das alles hat seine Zeit, die vergeht – aber die Ewigkeit gehört dem liebenden Gott und sie wird nie ein Ende haben.

 

Dann werden wir, die wir zu Christus gehören, mit Leib und Seele in seinem Lichte leben – um uns „der neue Himmel und die neue Erde in denen Gerechtigkeit wohnt“. Dann „wird Gott bei uns wohnen, und wir werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit uns, wird unser Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Von diesem Trost, von dieser Hoffnung leben wir als Christen.

So tröstet einander mit diesen Worten – denn wir haben eine Hoffnung:

CHRISTUS, der den Tod bezwungen hat und kommen wird sein Reich des Lebens aufzurichten. Amen, ja, komm, Herr Jesu. Komm bald!       

 

Choral

  1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden, / nimm wahr, was heut geschicht! / Wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht! / Mein Heiland war gelegt / da, wo man uns hinträgt, / wenn von uns unser Geist / gen Himmel ist gereist.
  2. Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei. / Eh er’s vermeint und denket / ist Christus wieder frei / und ruft: Viktoria! / Schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.
  3. Das ist mir anzuschauen / ein rechtes Freudenspiel; / nun soll mir nicht mehr grauen / vor allem, was mir will / entnehmen meinen Mut / zusamt dem edlen Gut, / so mir durch Jesus Christ / aus Lieb‘ erworben ist.
  4. Die Höll‘ und ihre Rotten, / die krümmen mir kein Haar; / der Sünden kann ich spotten, / bleib‘ allzeit ohn Gefahr. / Der Tod mit seiner Macht / wird nichts bei mir geacht’: / er bleibt ein totes Bild, / und wär‘ er noch so wild.

 

Kyrie

Herr, erbarme dich. / Christus, erbarme dich. / Herr, erbarme dich.

 

Lob- und Bittgebet

Gott, du Schöpfer und Heiland allen Lebens: Du hast Christus vom Tode erweckt. Er ist das Licht der Welt. Durch ihn hast du das Dunkel besiegt. 

Wir bitten dich:

Lass dein Licht auch weiter in die Welt hineinleuchten.

Lass es leuchten in dieser Gemeinde und in deiner ganzen Kirche.

Lass es leuchten in Kliniken und an Krankenbetten, wo Menschen um ihr Leben ringen.

Lass leuchten bei denen, die an vorderster Front im Kampf gegen die Pandemie stehen und bei denen, die schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Lass es leuchten, wo Menschen in Krieg und Streit leben.

Lass es leuchten, wo Menschen sich um Frieden mühen.

Lass es leuchten bei den Menschen, die nur Dunkel in ihrem Leben sehen, bei Trauernden und Einsamen, bei Verzweifelten und Schwermütigen.

Lass dein Licht in uns allen leuchten, Jesus Christus, deinen Sohn,

die Hoffnung der Herrlichkeit. Amen.   

 

Vaterunser

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden. Amen.

 

Choral

  1. Gelobt sei Gott im höchsten Thron / samt seinem eingebornen Sohn, / der für uns hat genug getan. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

  2. Des Morgens früh am dritten Tag, / da noch der Stein am Grabe lag, / erstand er frei ohn alle Klag. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

  3. Der Engel sprach: „Nun fürcht’ euch nicht; / denn ich weiß wohl, was euch gebricht. / Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.“ / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

    4. „Er ist erstanden von dem Tod, / hat überwunden alle Not; / kommt, seht wo er gelegen hat.“ / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

    5. Nun bitten wir dich, Jesu Christ, / weil du vom Tod erstanden bist, / verleihe, was uns selig ist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

    6. O mache unser Herz bereit, / damit von Sünden wir befreit / dir mögen singen allezeit: / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

 

 


 

QUASIMODOGENITI – „Weißer Sonntag“

 

 

Eröffnung

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.                                            

 

Psalm 118

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

          Die Rechte des HERRN ist erhöht;

          die Rechte des HERRN behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des HERRN Werke verkündigen.

          Der HERR züchtigt mich schwer;

          aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

          Das ist vom HERRN geschehen

          und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der HERR macht;

lasst uns freuen und an ihm fröhlich sein.

          O HERR, hilf!

          O HERR, lass wohlgelingen! 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

          wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

          und in Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Allmächtiger Gott, du hast uns durch die Auferstehung deines Sohnes von neuem geboren zu einem Leben voll Hoffnung und unvergänglicher Freude; wir bitten dich, schenke uns und allen Getauften deinen Frieden und hilf, dass wir die Welt im Glauben überwinden. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Evangelium: Johannes 20,19-29

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

 

Auslegung

Wo treibt sich Thomas bloß herum am Osterabend? Hat er denn nichts mitbekommen vom leeren Grab, das die Frauen am Morgen gefunden haben? Weiß er nichts von der Erscheinung der Engel, die gesagt haben: „Jesus lebt?“ Ist ihm entgangen, dass Maria Magdalena mit Jesus selbst gesprochen hat?

Ich stelle mir, Thomas sitzt in irgendeiner billigen Kaschemme, was heißt „sitzt“, er hängt am Tresen, der vom billigen Fusel klebt. Die verschwollenen Augen sind grad einen Spalt weit offen, das Kinn sackt ihm immer wieder auf die Brust, trotzdem schwadroniert er mit schwerer Zunge vor sich hin – der Wirt hört schon seit Stunden nicht mehr zu: „Die Weiber, was die sich alles einbilden! Wollen die doch glatt mit dem toten Jesus geredet. Jesus … he, Wirt, hab ich dir schon gesagt, wer das ist? Jesus, ha, das war mein Herr und Meister! Jetzt weißt Du’s! Alles hab ich aufgegeben, bin mit dem durch’s Land zigeunert. Wenn ich nur dran denke … Meine Werkstatt hab ich offen stehen lassen, nicht mal Wechselklamotten mitgenommen, Jesus hat gewunken … und ich bin los! Ich Rindviech! Denkst du, ich hab sie nicht gespürt, die Augen in meinen Rücken, hab das spöttische Lachen nicht gehört: ‚Der Thomas war doch immer recht vernünftig. Jetzt dreht der komplett durch, schmeißt alles hin! Tja, so kann’s kommen!‘ O doch – und Recht haben sie gehabt! Alles hab ich geopfert! Statt in meinem sauberen, weichen Bett zu schlafen, hab ich mit Jesus oft genug am staubigen Straßenrand übernachtet. Hab gegessen, was uns irgendwelche Leute geschenkt haben, ich, ein gestandener Handwerksmeister, bin zum Bettler geworden … Nichts war mehr wichtig, nur die Botschaft: „Die Zeit der Gnade, der Tag des Heils ist da!“ Wie oft habe ich das den Leuten unterwegs zugerufen, an wie vielen Haustüren geklopft und mein Sprüchlein aufgesagt? Wie konnte ich nur so blöd sein. … Und dann wird der Jesus doch tatsächlich verhaftet, verurteilt – und ab an‘s  Kreuz, aus und vorbei! Kein Engel hat dem Henker den Hammer aus der Hand geschlagen, kein Gott hat „Halt!“ geschrien, nicht mal den Teufel hat’s gekümmert … Da hab ich’s kapiert! Alles umsonst! All die Jahre sinnlos vertan – als würde das Leben ewig dauern … He, Wirt, mein Krug ist leer … Ha, leer, leer, sagen die Weiber, ist auch das Grab! Schwachsinn! Darauf noch mal `nen Kurzen! “

Irgendwann hat Thomas dann auch seinen letzten Pfennig versoffen und wankt heim.

Und da empfangen ihn die andern Jünger mit der Nachricht: „Jesus ist erschienen!“  Der Thomas wär ihnen fast an die Kehle gefahren, das war das Letzte, was er jetzt hören wollte! Erst die Frauen, jetzt auch noch die Männer – sind hier denn alle verrückt?! Thomas war randvoll mit Schnaps, Enttäuschung, Wut und Zukunftsangst – und trotzdem hatte er seine Lektion gelernt. „Glaube keinem, vertraue niemandem, lass den Himmel den Spatzen, halt dich nur an das, was du mit Händen greifen kannst! Vielleicht bringst du es dann doch noch zu was in diesem Leben – denn ein  anderes gibst ja eh nicht!“

Die Woche drauf war er trotzdem daheim – vielleicht hatte er schlicht keinen Groschen, den er in die Wirtschaft tragen konnte … Und da steht plötzlich Jesus vor ihm: „So, du willst handfest überzeugt werden, lieber Thomas? Dann fass zu! Hier bin ich! Siehst du meine Hände – meine Liebe zu dir ist nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen!“

Da trifft es Thomas wie ein Schlag: „Gnadenzeit – klar doch!, ich hab mit Gottes Sohn gelebt! Kreuz – sicher! da hat mein Unglauben ihm tiefe Wunden geschlagen! Gott hat freilich nicht eingegriffen – der hat ihm doch die Schuld der Welt aufgepackt, ihn zum Sündenbock und Opferlamm für alle gemacht! Aus Liebe! Unsere Sünden pressen uns nicht mehr wie Zentnerlasten auf die Erde, der Glaube lässt uns Flügel wachsen, über uns steht  der Himmel offen! Und der Teufel? Ja, den hat an diesem Tag buchstäblich der Teufel geholt!“ Und Thomas sinkt vor Jesus in die Knie: „Mein Herr und mein Gott!“

 

Und DU? Gehst DU auch vor Jesus in die Knie? Vor ihm, der DEINE Schulden bei Gott getilgt hat, dein unendlich überzogenes Konto ausgeglichen hat? Vor ihm, dem das köstliche himmlische Hochzeitsmahl nicht schmeckt, wenn DU nicht an der großen Tafel auf dem Platz sitzt, an dem schon DEIN Namenskärtchen steht? Vor ihm, der nicht ohne DICH leben will – nicht heute, nicht morgen und schon gleich gar nicht in Ewigkeit? Du fragst: Warum? Weil er DICH liebt! Ja, DICH! Er hält DIR seine Hände hin, die noch immer die Wunden seiner Liebe tragen – fass zu! Denn: „Die Zeit der Gnade, der Tag des Heils ist da – für DICH!“                           

 

Fürbitten

Herr Jesus, der Tod ist mächtig auf dieser Erde, du hast ihn besiegt.

Lass uns die Ostersonne leuchten.

Herr Jesus, der Unglaube ist mächtig auf dieser Erde, du kannst ihn in Vertrauen wandeln.

Lass uns die Ostersonne leuchten.      

Herr Jesus, die Gewalt ist mächtig auf dieser Erde, du kannst Frieden stiften.

Lass uns die Ostersonne leuchten.      

Herr Jesus, die Verzweiflung ist mächtig auf dieser Erde, du kannst Hoffnung schenken.

Lass uns die Ostersonne leuchten.      

 

Vaterunser

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Schlusslied

  1. Wir wollen alle fröhlich sein / in dieser österlichen Zeit, / denn unser Heil hat Gott bereit. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. / Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

    2. Es ist erstanden Jesus Christ, / der an dem Kreuz gestorben ist; / dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. / Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

    3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, / die Seinen all herausgeführt / und uns erlöst vom ewgen Tod. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. / Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

    4. Es singt der ganze Erdenkreis / dem Gottessohne Lob und Preis, / der uns erkauft das Paradeis. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. / Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

    5. Des freu sich alle Christenheit / und lobe die Dreifaltigkeit / von nun an bis in Ewigkeit. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. / Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Geistlicher Begleiter durch die Karwoche und die Ostertage

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