Ordnung für einen Hausgottesdienst am
1.  Sonntag im Advent

 

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

  

Psalm 24

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

dass der König der Ehre einziehe!

            Wer ist der König der Ehre?

            Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.

 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

 dass der König der Ehre einziehe!

            Wer ist der König der Ehre?

            Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

            wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

            und in Ewigkeit. Amen.     

 

Tagesgebet

Brich auf, Christus, in deiner Macht und komm: damit wir von der Gewalt des Bösen befreit  

und aus den Sünden erlöst werden. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und  regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Altes Testament: Sacharja 9,9-12

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.  Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.  Auch lasse ich um des Blutes deines Bundes willen deine Gefangenen frei aus der Grube, in der kein Wasser ist. Kehrt heim zur festen Stadt, die ihr auf Hoffnung gefangen liegt. Denn heute verkündige ich, dass ich dir zweifach erstatten will.

 

Lied: Wie soll ich dich empfangen

  1. Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir, / o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier? / O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei, / damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

 

  1. Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin, / und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn. / Mein Herze soll dir grünen / in stetem Lob und Preis / und deinem Namen dienen, / so gut es kann und weiß.

 

  1. Nichts, nichts hat dich getrieben / zu mir vom Himmelszelt / als das geliebte Lieben, / damit du alle Welt / in ihren tausend Plagen / und großen Jammerlast, / die kein Mund kann aussagen, / so fest umfangen hast.

 

  1. Das schreib dir in dein Herze, / du hochbetrübtes Heer, / bei denen Gram und Schmerze / sich häuft je mehr und mehr; / seid unverzagt, ihr habet / die Hilfe vor der Tür; / der eure Herzen labet / und tröstet, steht allhier.

 

  1. Ihr dürft euch nicht bemühen / noch sorgen Tag und Nacht, / wie ihr ihn wollet ziehen / mit eures Armes Macht. / Er kommt, er kommt mit Willen, / ist voller Lieb und Lust, / all Angst und Not zu stillen, / die ihm an euch bewusst.

 


 

Evangelium: Matthäus 21,1-9  

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte  Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den  Propheten, der da spricht: «Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König  kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.» Die  Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem  Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

 

Predigt zum Evangelium

Das hätte vielleicht eine Lumpensammlung gegeben, damals in Jerusalem!

Die ganze Straße, durch die Jesus gekommen war, lag voll mit Klamotten! Dem grauen Umhang der Marktfrau, dem teuren Pelz des Edelmanns, dem zerrissenen und verdreckten Zeugs des Bettlers, dem Schleier der Witwe, dem blutroten Mantel des römischen Soldaten, dem Turbantuch des Priesters, sogar das eine oder andere Festgewand war darunter, mit aufgenähten Perlen und eingewebten Goldfäden und jede Menge Alltagssachen …

Alle Leute hatten ihre Kleider abgeworfen, um daraus einen ganz besonderen „roten Teppich“ für Jesus zu machen. Und mit den Kleidern waren die Unterschiede zwischen ihnen weggefallen. Bei denen, die am Straßenrand standen und jubelten, konnte keiner mehr Arm und Reich unterscheiden, der Mächtige und der Ohnmächtige waren gleich geworden, man sah nicht, ob eine zum Weinfest oder zur Beerdigung ging oder ob einer ein Gottesdiener oder ein Gottloser war …

 

In diesem Moment waren alle nur: Menschen – Menschen vor Jesus. Ganz ohne Snipes-Hoody oder Lacoste-Polo-Shirt, ohne Versace-Tasche oder Angebots-Rucksack aus dem Supermarkt, ohne Talar oder Blaumann, ohne T-Shirt mit St. Pauli-Totenkopf oder Bayernraute … waren sie einfach Menschen! Menschen sind mehr als ihre Kleider, ihre Berufe, ihr Aussehen oder Ansehen, ihr volles oder leeres Bankkonto, mehr als ihre Laune, Meinung oder Weltanschauung …!  

 

Mit den Kleidern fielen die gesellschaftlichen Unterschiede weg – und die Menschen kamen zum Vorschein!

 

Wir alle wollen als Menschen wahrgenommen werden!

Allerdings nicht als nackte „Masse Mensch“, die jubelnd oder wütend am Straßenrand steht, sondern als der ganz besondere, einzigartige Mensch, der wir sind! Ungeschminkt, abgeschmückt, bloß wie wir sind! Ohne uns schämen zu müssen, weil der, der auf uns schaut, uns liebt!

 

Jesus schaut auf die Menschen am Straßenrand mit einem solchen Blick: Er sieht nicht Arme, Reiche, Soldaten, Zivilisten, Priester, Gottlose, Feierfreudige und Leute auf dem Weg zur Arbeit – er sieht Menschen! Und er sieht nicht eine jubelnde Menschenmasse, an der er hoch erhobenen Hauptes vorbeischreitet, er sieht nicht eine Menge Statisten bei seinem großen Auftritt – er sieht jeden Einzelnen! Ja, weil er nicht auf einem stolzen, großgewachsenen Ross reitet, sondern auf einem kleinen Esel, ist er, der Sohn des allmächtigen Gottes, mit den Menschen auf Augenhöhe!

 

Die Mächtigen dieser Welt mögen in den Menschen eine Masse sehen, eine Menge, die ihnen zujubeln und andere niederbrüllen soll, konsumieren oder den Gürtel enger schnallen soll, sie wählen oder ihre angemaßte Herrschaft hinnehmen soll, für sie in den Krieg ziehen oder wehrlos bleiben soll, auf ihren Befehl hin einen Gottesstaat errichten oder ihren Glauben opfern soll – das hängt ganz von der Weltanschauung und dem Ziel der jeweils Mächtigen ab – Jesus sieht in jeder und in jedem den Menschen; den einzelnen Menschen, der ihm unendlich viel wert ist, soviel, dass er um seinetwegen vom Himmel auf die Erde kommt, um ihm auf Augenhöhe zu begegnen! Jesu  Weltanschauung ist keine rechte oder linke Ideologie, sondern der Blick aus liebenden Augen auf die Welt, die Menschen, auf DICH! Und sein Ziel ist DEINE Erlösung! 

 

Vor einiger Zeit hatte ich eine Diskussion in einer meiner Schulklassen. Ein Jugendlicher vertrat sehr abgeklärt den Grundsatz: „Jeder Mensch hat seinen Preis!“ Er wollte damit sagen: Jeder ist käuflich, jeder bestechlich, keiner kann widerstehen, wenn man ihm nur genug Geld bietet. Nun, aus dem Mund eines Teenagers klingt eine solche Sicht auf die Welt ziemlich erschreckend, aber nach einer Untersuchung, die vor einigen Jahren in den USA gemacht wurde, hat er vielleicht nicht völlig Unrecht. Die gestellte Frage lautete: „Was wären Sie bereit, für zehn Millionen Dollar zu tun?“ Ein Forschungsinstitut wertete das Ergebnis aus: „25% würden ihre Familie verlassen, 23% sich für eine Woche prostituieren, 7% einen Mord begehen, 3% ihre Kinder zur Adoption freigeben usw.“ Jede einzelne dieser Antworten ist völlig verrückt, wenn man bedenkt, dass man sich nichts von dem, was wirklich zählt, kaufen kann: Wir können uns keine Liebe kaufen! Keinen Frieden in unserem Gewissen! Nicht den Stolz, den wir empfinden, wenn unsere Kinder ihren Weg gehen! Und wir können uns auch nicht kaufen, dass wir uns selbst ins Gesicht schauen können, ohne vor Ekel ausspucken zu wollen.   

 

„Jeder Mensch hat seinen Preis!“ Mit Blick auf die Käuflichkeit vieler Menschen mag das nicht völlig falsch sein – mit Blick auf Gott stimmt das ganz und gar! Jeder Mensch hat seinen Preis – für Gott. Nicht zehn Millionen Dollar, sondern den Höchstpreis! Gott bezahlt mit seinem Sohn Jesus für uns! Er kauft uns frei Schuld, Tod und Verderben, von der Macht des Bösen, von der ewigen Finsternis – und der Preis, den er zahlt, ist das Leben seines Sohnes.

 

Jesus zieht nach Jerusalem als König nach Gottes Willen. Keine Woche wird vergehen, dann wird er gekrönt werden: Mit einer Krone, die aus Dornen gebunden ist. Der Thron, den man ihm anweist, ist ein Kreuz. Und nicht Boten und Herolde mit Fanfaren und Trompeten werden der Welt verkünden: „Der König hat seinen Thron bestiegen! Es lebe der König!“ – nein, das übernimmt eine hässliches Holztäfelchen, das oben an das Kreuz genagelt wird: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ steht darauf – und der König darunter muss sterben. Ja, das ist der Preis für jeden Menschen – und Gott bezahlt ihn für DICH! Und Jesus? Der nimmt das Leiden auf sich – weil er DICH liebt! Nur dieses eine Mal ragt der Sohn Gottes wirklich über die Menschen empor, ist nicht auf Augenhöhe, sondern über sie erhoben – da am Kreuz.

 

Jesus ist – gewissermaßen – ein göttlicher Lumpensammler! Aber er hob nicht die Klamotten auf, die in Jerusalem auf der Straße herumlagen. Ihm geht es immer um die Menschen!

Jesus hebt die sündigen Menschen auf, die von Schuld beschwert am Boden liegen, die, die von Angst bedrückt, von Verzweiflung niedergestreckt, von Erschöpfung ausgelaugt in die Knie gesunken sind. Er hebt sie auf – um sie von der Erde in den Himmel zu bringen! Er hebt DICH auf, weil er DICH liebt! Er will DICH in den weißen Kleidern des Heils am Thron Gottes stehen sehn! Er hat für DICH bezahlt und er will DICH nicht verlieren!

Heiß ihn in DEINEM Leben willkommen: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem  Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ Amen.       

 

Lied: Macht hoch die Tür

  1. Macht hoch die Tür‘, die Tor‘ macht weit, / es kommt der Herr der Herrlichkeit, / ein König aller Königreich‘; / ein Heiland aller Welt zugleich, / der Heil und Segen mit sich bringt; / derhalben jauchzt, mit Freuden singt: / Gelobet sei mein Gott, / mein Schöpfer reich von Rat.

 

  1. Er ist gerecht, ein Helfer wert, / Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, / sein Königskron‘ ist Heiligkeit, / sein Zepter ist Barmherzigkeit; / all uns’re Not zum End‘ er bringt, / derhalben jauchzt, mit Freuden singt: / Gelobet sei mein Gott, / mein Heiland groß von Tat.

 

  1. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, / so diesen König bei sich hat! / Wohl allen Herzen insgemein, / da dieser König ziehet ein! / Er ist die rechte Freudensonn, / bringt mit sich lauter Freud und Wonn. / Gelobet sei mein Gott, / mein Tröster früh und spat!
  2. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, / mein’s Herzen Tür Dir offen ist; / ach, zieh mit deiner Gnade ein, / dein Freundlichkeit auch uns erschein, / dein Heilger Geist uns führ und leit, / den Weg zur ewgen Seligkeit. / Dem Namen Dein, o Herr, / sei ewig Preis und Ehr!

 

Fürbitten

Wohin du kommst, Gott, da kehrt Frieden ein, da werden Menschen verwandelt, zu hoffen und zu lieben, sich zu freuen und sich geborgen zu fühlen. Darum bitten wir dich: Komm auch zu uns!

 

Komm zu allen, die erschöpft sind und abgestumpft, die nicht mehr an deine und unsere Liebe glauben können. Komm auch zu uns!

 

Komm zu allen, die ratlos sind und verzweifelt, die leiden und keine Hoffnung mehr haben, die sich ausgestoßen fühlen und nach Gemeinschaft sehnen. Komm auch zu uns!

 

Komm zu den vielen alten und jungen Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, die nichts mehr mit sich und der Welt anzufangen wissen, denen alle Lebenschancen genommen sind. Komm auch zu uns!

 

Komm zu allen, die in Streit und Unfrieden leben, die grausamen, sinnlosen Kriegen ausgeliefert sind, die hungern und frieren und obdachlos sind. Komm auch zu uns!

 

Komm zu uns, die wir uns danach sehnen, dein Lob mit einem Munde zu singen. Lass deine Liebe in uns Gestalt gewinnen. Komm auch zu uns!

 

Komm zu uns und erfülle uns mit deinem Frieden. Amen. 

 

Vaterunser

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ordnung für einen Hausgottesdienst

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